May 01, 2011

SEPA: NEUE VERFAHREN IM EUROPÄISCHEN ZAHLUNGSVERKEHR

SEPA (Single Euro Payments Area) bezeichnet einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, in dem alle unbaren Geldtransfers wie inländische Zahlungen behandelt werden. Die Vereinheitlichung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs im europäischen Binnenmarkt betrifft drei Zahlungsinstrumente: die SEPA-Überweisung, die SEPA-Lastschrift und die SEPA-Kartenzahlung.

Ziele und politische Rahmenbedingungen

Die Wirtschafts- und Währungsunion ist ein Kernelement der Ziele innerhalb der Europäischen Union. Die Einführung des Euro als gemeinsame Währung war und ist eine von mehreren Maßnahmen, den europäischen Binnenmarkt zu stärken. Mit SEPA soll der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum geschaffen werden. Das bedeutet, dass für Geschäftskunden und Verbraucher europaweit vergleichbare Bedingungen im Zahlungsverkehr gelten.
Bisher hat jedes Land in Europa eigene technische Standards definiert, zum Beispiel hinsichtlich der Systematik von Bankleitzahlen und Kontonummern, und individuelle Zahlungssysteme installiert, zum Beispiel Lastschriftverfahren. Parallel bestehen internationale Formate für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die bisher genutzten nationalen Zahlungssysteme sollen nach und nach zugunsten von SEPA-Standards abgeschafft werden.

SEPA-Überweisung

Die SEPA-Überweisung startete schon im Januar 2008. Viele Kreditinstitute in Europa nehmen bereits am SEPA-Überweisungsverfahren teil. Die Abwicklung einer SEPA-Überweisung darf drei Bankarbeitstage nicht überschreiten, dann muss der Betrag europaweit beim Empfänger gutgeschrieben sein. Bei der SEPA-Überweisung werden die IBAN (International Bank Account Number/Internationale Kontonummer) und der BIC (Bank Identifier Code/Internationale Bankleitzahl) verwendet.

SEPA-Lastschrift

Die SEPA-Lastschrift ist ein weiterer Baustein zur Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen im europäischen Zahlungsverkehr. Der Einzug von Rechnungen im Ausland war bisher mit erheblichem Aufwand verbunden. Mit der SEPA-Lastschrift soll dies aufgrund einheitlicher Standards in der Abwicklung wesentlich vereinfacht werden. Grundsätzlich ähnelt die SEPA-Lastschrift der deutschen Einzugsermächtigung.
Seit November 2009 können Kreditinstitute in Europa die SEPA-Lastschrift anbieten, wenn die europäische Zahlungsdienstrichtlinie (Payment Services Directive, PSD) bereits in nationales Recht umgesetzt wurde. Deutschland hat dies mit dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) und Ergänzungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zum 1. November 2009 getan. Eine Annahmepflicht für SEPA-Lastschriften besteht im Euro-Raum seit November 2010 für alle Zahlungsdienstleister, die nationale Lastschriften entgegennehmen.
Die SEPA-Lastschrift beinhaltet zwei Lastschriftverfahren. Die SEPA-Basislastschrift (SEPA Core Direct Debit), die Elemente des deutschen Lastschriftverfahrens enthält, und die SEPA-Firmenlastschrift (SEPA Business to Business Direct Debit), die unter Geschäftskunden vorgesehen ist und dem heutigen Abbuchungsauftragsverfahren gleicht.

SEPA-Kartenzahlung

Das dritte Element im SEPA-Verfahren ist die SEPA-Kartenzahlung. Einheitliche Rahmenbedingungen für die Anforderungen an Kartensysteme sollen Bargeldabhebungen und Kartenzahlungen im Euro-Zahlungsverkehrsraum so schnell und sicher wie im Heimatland machen. Dazu werden seit Januar 2011 nur noch SEPA-fähige Karten eingesetzt, die mit Chip-Technik ausgerüstet sind.

Weitere Schritte

Am 16. Dezember 2010 wurde der Vorschlag für eine „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung der technischen Vorschriften für Überweisungen und Lastschriften in Euro und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 924/2009“ (Bundesrats-Drucksache 834/10) veröffentlicht. Hier wurden unter anderem Standards für die Ausführung von grenzüberschreitenden Zahlungen durch Verwendung von IBAN und BIC festgelegt.
Mittlerweile hat sich der Bundesrat mit der Verordnung befasst und eine Stellungnahme abgegeben. Danach wird keine Notwendigkeit gesehen, IBAN und BIC im nationalen Zahlungsverkehr zu verwenden. Darüber hinaus soll ein einheitlicher Umstellungszeitpunkt für Überweisungen und Lastschriften von 48 Monaten nach Veröffentlichung der Verordnung (EG) 924/2009 gelten, und es soll eine Migrationslösung für bestehende Einzugsermächtigungen geschaffen werden.
Ob und in welchem Umfang diese Forderungen realisiert werden, ist noch ungewiss. Für Unternehmen gilt jedenfalls, dass das Thema SEPA in der innerbetrieblichen Organisation des Finanzwesens zukünftig eine immer bedeutendere Rolle spielen wird. Informationen und Hilfe bei der Umstellung auf SEPA erhalten Unternehmen beim Zentralen Kreditausschuss unter www.zka-online.de -> Zahlungsverkehr. 

Quelle: AOK Praxis Aktuell Direkt 4/2011

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