November 23, 2011

Riester-Rente

Zwischenbilanz zehn Jahre nach der Einführung

Die Riester-Rente - kompliziert und wenig ertragreich

Schlechte Renditen und undurchsichtige Verträge - die Bilanz nach zehn Jahren Riester-Rente ist ernüchternd. Zudem wird die private Ergänzung zur gesetzlichen Rente nicht vor Altersarmut schützen, warnen Experten.

Von Frank Aischmann, MDR, ARD-Hauptstadtstudio 23.November 2011

Die Frau hat keinen Namen, sie ist 35 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und sie erinnert sich noch an die inzwischen zehn Jahre alte Mahnung von Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester, "dass die Menschen ihre Rentenansprüche eher über- als unterschätzen". Also hat die 35-Jährige einen Riester-Vertrag abgeschlossen.
Allerdings: Die Frau ist eine reine Erfindung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das wissen wollte, was das "Riestern" wirklich bringt. Jetzt wurde diese DIW-Studie veröffentlicht, die schon vorab für Schlagzeilen sorgte. Erst wenn die Frau 85 Jahre alt wird, hätte sie ihr eingesetztes Geld wieder heraus - bei zweieinhalb Prozent Verzinsung wohlgemerkt. Gibt es dagegen nur die Garantiesumme ohne Zinsen zurück, müsste die Frau 109 Jahre alt werden, bevor sich die Riester-Rente für sie gelohnt hätte.
Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und Chef des Bundes der Versicherten sagte dem ARD-Hauptstadtstudio: "Die Renditen sind sehr, sehr schlecht geworden. Zum Teil muss bei einem Kunden, der durchschnittlich lebt oder stirbt davon ausgegangen werden, dass er am Schluss unterm Strich weniger herausbekommen hat, als insgesamt eingezahlt wurde."

Kein Schutz vor Altersarmut

Arbeitsminister Walter Riester (Foto: AP) Ex-Arbeitsminister Walter Riester

Das war natürlich nicht die Idee der rot-grünen Bundesregierung, als sie die  Riester-Rente vor zehn Jahren einführte - als Waffe gegen Altersarmut trotz sinkender gesetzlicher Renten. Aber was sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Morgen in der ARD: "Die Riester-Rente wird uns nicht vor Altersarmut in der nächsten Generation der Rentner schützen."
Was unter anderem daran liegt, dass die Einkünfte aus der Riester-Rente voll steuerpflichtig sind oder - das betrifft Geringverdiener - mit der Grundsicherung im Alter verrechnet werden. Vor allem aber sind Riester-Verträge eine komplizierte Wissenschaft mit umfangreichen Formularen geworden mit unüberschaubaren Wahlmöglichkeiten: Fondssparplänen, klassischen Rentenversicherungen, Bausparverträgen und so weiter.

Intransparenz und Kostenverschleierung

Die Zeitschrift "Ökotest" hat unlängst knapp 150 verschiedene Verträge untersucht und eine weit verbreitete Undurchsichtigkeit und Kostenverschleierung festgestellt. Selbst die großzügigen Zulagen des Staates können durch Abschlusskosten und Gebühren des Riester-Vertrages komplett aufgefressen werden oder anders gesagt, bleiben bei der Versicherungsgesellschaft hängen.
Aber das gilt natürlich nicht für alle Verträge und mit zehn Jahren ist das Riester-Konzept auch noch viel zu jung für eine Abschlussbilanz: "Die Versicherungsunternehmen kassieren mehr Prämien ein, haben mehr Beiträge in den Händen, legen diese an und rücken die eben nicht so schnell raus. In den 30er, 40er Jahren dieses Jahrhunderts werden dann in hohem Maße sogenannte Sterblichkeitsgewinne anfallen, wenn die Kunden erheblich früher versterben als zunächst kalkuliert, das ist dann der Moment, wo sich entscheiden wird, ob die Unternehmen die Gelder dann auch wirklich an die Kunden weitergeben oder nicht", so Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein.
Und doch hat der Ratschlag von Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester an Riester-Willige auch zehn Jahre später volle Gültigkeit: "Information so schnell und so gründlich wie möglich. Abschließen nach der Information."

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