December 27, 2011

Familienpflegezeit

Am 1. Januar 2012 tritt das neue Familienpflegezeitgesetz in Kraft. Maximal zwei Jahre sollen Arbeitnehmer dabei ihre Arbeitszeit reduzieren können, um ihre Angehörigen zu pflegen.

Das Modell sieht vor, dass Berufstätige ihre wöchentliche Arbeitszeit um die Hälfte, aber höchstens auf 15 Stunden pro Woche, verringern können. Als Arbeitgeber müssen Sie der Pflegezeit zwar zunächst zustimmen, einen gesetzlichen Anspruch darauf hat der Arbeitnehmer aber nicht. Wenn Sie einverstanden sind, schließen Sie mit dem Arbeitnehmer wie beim Modell der Altersteilzeit eine Vereinbarung über eine Familienpflegezeit von maximal 24 Monaten.

Während der Familienpflegezeit
Wenn der Arbeitnehmer seine Angehörigen pflegt, reduziert er dabei seine Arbeitszeit und erhält ein gekürztes Gehalt. Um die Einkommenseinbuße abzumildern, kann er über ein Wertguthaben das Entgelt aufstocken. Dabei sieht das Modell zwei mögliche Wege vor: Der Arbeitnehmer kann das Wertguthaben vor oder nach der Pflegephase auf-bauen.

Aufbau des Wertguthabens in der Vorpflegephase
Weiß der Beschäftigte im Vorfeld, dass er einmal eine Pflegezeit leisten wird, kann er bereits vorher ein Wertguthaben erarbeiten.

• Vorpflegephase: Aufbau des Wertguthabens
• Pflegephase: reduzierte Arbeitszeit (50 Pro-zent); reduziertes Gehalt (75 Prozent); 25 Pro-zent davon finanziert durch Abbau des Wert-guthabens aus der Vorpflegephase
• Nachpflegephase: volle Erwerbstätigkeit (100 Prozent); volles Gehalt (100 Prozent)

Ausgleich des Wertguthabens in der Nachpflegephase
In vielen Fällen wird der Angehörige des Beschäftig-ten jedoch unerwartet pflegebedürftig, sodass noch kein Wertguthaben vorhanden ist. Auch dann zahlen Sie dem Arbeitnehmer in der Pflegephase ein gekürztes Gehalt. Einen Teil davon erhält er aus einem noch gar nicht vorhandenen Wertguthaben, das er nach der Pflegephase wieder auffüllen soll. Man spricht von einem sogenannten "negativen Wertgut-haben". Nach Ablauf der Familienpflegezeit arbeitet der Beschäftigte wieder voll. Er bekommt aber weiterhin ein reduziertes Gehalt, bis er das "negative Wertguthaben" ausgeglichen hat.

• Vorpflegephase: volle Erwerbstätigkeit (100 Prozent); volles Gehalt (100 Prozent)
• Pflegephase: reduzierte Arbeitszeit (50 Pro-zent); reduziertes Gehalt (75 Prozent), 25 Pro-zent davon finanziert aus "negativem Wertgut-haben"
• Nachpflegephase: volle Erwerbstätigkeit (100 Prozent); reduziertes Gehalt (75 Prozent) für den Zeitraum wie Pflegephase, die restlichen 25 Prozent zum Ausgleich des "negativen Wert-guthabens"

Zinsloses Darlehen
Als Arbeitgeber können Sie für Ihren Beschäftigten ein zinsloses Bundesdarlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. So haben Sie ein geringeres Risiko, durch Lohnvorauszahlungen an Ihren Mitarbeiter für den Aufbau eines Wertguthabens in finanzielle Engpässe zu geraten.

Mit dem Darlehen können Sie dann in der Pflege-phase das Gehalt des Beschäftigten um die Hälfte der Differenz zwischen dem vollen Gehalt und dem aufgrund der reduzierten Arbeitszeit gekürzten Ge-halt aufstocken. Nach der Pflegephase behalten Sie dann einen Teil des Lohns ein und zahlen damit das Darlehen an das Bundesamt zurück.

Bei Ausfall abgesichert
Zusätzlich will der Gesetzgeber eine Familienpflegezeitversicherung einführen. Diese soll Sie als Arbeitgeber absichern, falls der Arbeitnehmer zum Beispiel durch Tod oder Berufsunfähigkeit ausfällt. Der Beschäftigte muss eine solche Versicherung abschließen, die sich im unteren zweistelligen Eurobereich pro Monat beläuft.

Sozialversicherung
Während der Familienpflegezeit bleibt die Versicherungspflicht in allen Sozialversicherungszweigen des Beschäftigten erhalten. Die Beiträge berechnen sich aus dem reduzierten Gehalt in der Pflegephase inklusive des Wertguthabens.

Auch in der Rentenversicherung fallen Beiträge nach dem niedrigeren Arbeitsentgelt an. Die Pflegezeiten werden in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt, sodass es in vielen Fällen nicht zu Einbußen bei den Rentenanwartschaften kommt.

Auch in der Arbeitslosenversicherung sollen dem Arbeitnehmer keine finanziellen Einbußen durch die Familienpflegezeit entstehen.

Quelle: TK-Firmenkundenservice - Informationen zum Jahreswechsel 2011/2012

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