December 06, 2011

RECHENGRÖSSEN, BEITRAGSSÄTZE UND SONSTIGE WERTE IM JAHR 2012

Besserverdienende und ihre Arbeitgeber müssen im kommenden Jahr mehr für die Sozialversicherung aufbringen. Das Bundeskabinett hat am 14. Oktober 2011 eine entsprechende Verordnung zur Bestimmung der maßgeblichen Rechengrößen der Sozialversicherung auf den Weg gebracht, welcher der Bundesrat am 25. November 2011 zugestimmt hat.

Beitragsbemessungsgrenzen

Das laufend erzielte Arbeitsentgelt wird für die Beitragsberechnung nur herangezogen, soweit es die für den maßgebenden Abrechnungszeitraum geltende Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nicht übersteigt. Während die BBG in der Kranken- und Pflegeversicherung bundeseinheitlich ist, gelten in der Renten- und Arbeitslosenversicherung wegen des unterschiedlich hohen Lohnniveaus in den alten und neuen Bundesländern weiterhin abweichende Werte. Und dies sind die ab 1. Januar 2012 maßgebenden Grenzwerte:
Versicherungszweig
Jahr
Monat
Kranken- und Pflegeversicherung
45 900 EUR
3 825 EUR
Renten- und Arbeitslosenversicherung (alte Bundesländer)
67 200 EUR
5 600 EUR
Renten- und Arbeitslosenversicherung (neue Bundesländer)
57 600 EUR
4 800 EUR

Jahresarbeitsentgeltgrenze

Höher verdienende Arbeitnehmer sind in der Kranken- und Pflegeversicherung nur dann versicherungsfrei, wenn ihr regelmäßiges Arbeitsentgelt die aktuelle Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE-Grenze) und voraussichtlich auch die JAE-Grenze des Folgejahres überschreitet. Mit dem Jahreswechsel wird die bundesweit einheitliche JAE-Grenze ebenso angepasst wie die besondere (niedrigere) JAE-Grenze. Diese gilt für Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 2002 wegen Überschreitens der damaligen JAE-Grenze versicherungsfrei und in vollem Umfang privat krankenversichert waren.
2012
Jahresarbeitsentgeltgrenze50 850 EUR
Besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze45 900 EUR

Beitragszuschüsse

Arbeitnehmer, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze krankenversicherungsfrei und in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind, erhalten von ihrem Arbeitgeber einen Beitragszuschuss. Das sind bei einer Versicherung mit Anspruch auf Krankengeld 279,23 EUR bzw. 267,75 EUR, wenn kein Krankengeldanspruch besteht.
Der Zuschuss für privat krankenversicherte Arbeitnehmer wird in Höhe des Betrags gezahlt, der sich bei Anwendung der Hälfte des um 0,9 Beitragssatzpunkte verminderten allgemeinen Beitragssatzes und der bei Versicherungspflicht zugrunde zu legenden beitragspflichtigen Einnahmen als Beitrag ergibt; der ermäßigte Beitragssatz wird angewendet, wenn bei Versicherungspflicht kein Krankengeldanspruch bestände. Der Zuschuss wird gegebenenfalls auf die Hälfte der tatsächlichen Aufwendungen des Beschäftigten für die Krankenversicherung begrenzt. Der Arbeitgeberzuschuss für die private Krankenversicherung mit Krankentagegeldanspruch beträgt im Jahr 2012 maximal (3 825 EUR x 7,3 % =) 279,23 EUR.
Beispiel:
Ein wegen Überschreitens der Versicherungspflichtgrenze privat versicherter unständig Beschäftigter zahlt für seine Krankenversicherung ohne Krankengeldanspruch eine monatliche Prämie von 500 EUR. Der Arbeitgeber zahlt einen Beitragszuschuss in Höhe von 267,75 EUR. Der ermäßigte Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt ab 1. Januar 2012 14,9 %.
Der Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Beitragszuschuss für die private Krankenversicherung von höchstens ([14,9 % – 0,9 % =] 14 % : 2 = 7 % x 3 825 EUR =) 267,75 EUR, gekürzt auf die Hälfte der tatsächlichen Aufwendungen in Höhe von (500 EUR : 2 =) 250 EUR. Der Betrag von (267,75 EUR – 250 EUR =) 17,75 EUR ist steuerpflichtig.
In der gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt der Beitragszuschuss bei Arbeitnehmern, die einer gesetzlichen Krankenversicherung als freiwilliges Mitglied angehören, im Jahr 2012 monatlich (3 825 EUR x 0,975 % =) 37,29 EUR. Ist der Arbeitnehmer im Bundesland Sachsen beschäftigt, beträgt der Zuschuss 18,17 EUR, weil der Arbeitgeberanteil nur 0,475 % beträgt. Privat versicherte Arbeitnehmer erhalten unter bestimmten Bedingungen ebenfalls einen Arbeitgeberzuschuss, der in der Höhe begrenzt ist auf den Betrag, der bei Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung zu zahlen wäre, höchstens jedoch die Hälfte des Betrags, der für die private Pflegeversicherung tatsächlich aufgewendet wird.

Bezugsgröße

Dieser zentrale Wert der Sozialversicherung erhöht sich für das Jahr 2012 in den alten Bundesländern auf 2 625 EUR im Monat. In den neuen Bundesländern bleibt es unverändert bei monatlich 2 240 EUR.

Sachbezugswerte

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) legt den Wert der Sachbezüge auf der Grundlage der Entwicklung der Verbraucherpreise fest. Der Preisindex für Verpflegung ist im maßgebenden Referenzzeitraum von Juni 2010 bis Juni 2011 um 1,1 % und für Unterkunft oder Mieten um 3 % gestiegen. Damit ergeben sich für das Jahr 2012 folgende Monatswerte:
Freie Verpflegung219 EUR
– davon Frühstück47 EUR
– davon Mittagessen86 EUR
– davon Abendessen86 EUR
Bei der Gewährung von unentgeltlichen oder verbilligten Mahlzeiten im Betrieb sind sowohl für volljährige Arbeitnehmer als auch für Jugendliche oder Auszubildende nachstehende Beträge anzusetzen:
  • Frühstück: 1,57 EUR
  • Mittag-/Abendessen: 2,87 EUR
Erhalten Arbeitnehmer Essenmarken oder Restaurantschecks, die außerhalb des Betriebs (z. B. von einer Gaststätte) bei der Abgabe von Mahlzeiten in Zahlung genommen werden, ist der Wert der Mahlzeit nur dann mit dem amtlichen Sachbezugswert und nicht mit dem ausgewiesenen Verrechnungswert zu bewerten, wenn
  • tatsächlich Mahlzeiten abgegeben werden,
  • für jede Mahlzeit lediglich eine Essenmarke täglich in Zahlung genommen wird,
  • der Verrechnungswert der Essenmarke den Sachbezugswert um nicht mehr als 3,10 EUR übersteigt (Verrechnungswert in 2012 daher höchstens 5,97 EUR) und
  • die Essenmarken nicht an Arbeitnehmer abgegeben werden, die beispielsweise eine Dienstreise durchführen.
Der Wert der freien Unterkunft steigt im Jahr 2012 von 206 EUR auf 212 EUR. Bei freier Wohnung darf der Sachbezugswert nicht angesetzt werden. Vielmehr ist der ortsübliche Mietpreis maßgebend. Ist diese Feststellung mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden, kann die Wohnung sowohl in den alten wie auch in den neuen Bundesländern mit 3,70 EUR monatlich je Quadratmeter bzw. bei einfacher Ausstattung mit 3,00 EUR monatlich je Quadratmeter bewertet werden.

Beitragssätze

Die Beitragssätze in der Sozialversicherung werden von der Bundesregierung bundeseinheitlich festgelegt. Wegen der ausreichend hohen Rücklage der Rentenversicherung ist vorgesehen, den Beitragssatz ab 1. Januar 2012 von derzeit 19,9 % auf 19,6 % abzusenken.
Die Insolvenzgeldumlage wird dagegen nach einer diesjährigen Nullrunde im kommenden Jahr geringfügig erhöht. Das BMAS hat die Umlage für das Jahr 2012 mit 0,04 % festgesetzt.
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag beträgt dagegen auch im Jahr 2012 unverändert null Euro. Damit haben weder Arbeitgeber noch die Krankenkassen das aufwendige Sozialausgleichsverfahren durchzuführen.
Versicherungszweig
Beitragsgruppe
Beitragssatz
Krankenversicherung


Allgemeiner Beitragssatz
1000
15,5 %
Ermäßigter Beitragssatz
3000
14,9 %
Rentenversicherung


Allgemeine Rentenversicherung
0100
19,6 %*
Agentur für Arbeit


Arbeitslosenversicherung
0010
3,0 %
Insolvenzgeldumlage
0050
0,04 %
Pflegeversicherung


Allgemeiner Beitragssatz
0001
1,95 %
Zuschlag für Kinderlose
0001
0,25 %
*voraussichtlicher Wert


Umlagesätze

Die Umlagesätze nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz zur Erstattung der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit (U 1) und Mutterschaft (U 2) werden individuell von jeder Krankenkasse festgelegt.

Gleitzone

Ausgangswert für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ist das Arbeitsentgelt. Liegt dieses allerdings innerhalb der Gleitzone, einer Entgeltspanne von 400,01 EUR bis 800 EUR, wird der Arbeitnehmeranteil auf Basis eines abgesenkten Betrags berechnet. Die Beitragsbemessungsgrundlage wird 2012 nach folgender vereinfachten Formel berechnet:
1,2509 x AE (= Arbeitsentgelt) – 200,72.

Quelle: AOK Praxis Aktuell Direkt 11.2011

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