April 05, 2012

Lieber Ferrari als Pferdekutsche

Immer mehr Arbeitnehmer nutzen den Privat-PC im Job 

„Bring your own device“ heißt der Trend, der Arbeitnehmerherzen höher schlagen und IT-Verantwortliche tiefer seufzen lässt. Denn der eigene schnelle und leistungsstarke Laptop kann die Sicherheit der Firma gefährden. Trotzdem arbeiten immer mehr Beschäftige am Privat-PC, wie eine aktuelle Studie belegt…


Während zu Hause das Laptop erfrischend flott hochfährt und schon nach kürzester Zeit einsatzbereit Befehle erwartet, kann man im Büro nach Einschalten des Computers getrost die erste längere Kaffeepause einlegen. Und nicht nur beim Booten machen sich die Unterschiede zwischen privater, moderner IT und angestaubten Firmenrechnern bemerkbar. Immer mehr Angestellte arbeiten deshalb auch am Arbeitsplatz mit privaten Geräten, weil sie auch und gerade im Job nicht auf den höheren Standard und Komfort verzichten möchten. „Bring your own device (BYOD)“ oder auf Deutsch „Bring Dein eigenes Gerät mit“ heißt der Trend, der aus den USA nach Deutschland herübergeschwappt ist.

Das Arbeiten am privaten PC macht mehr Spaß

Einer Umfrage des IT- und Management-Beraters Accenture zu Folge erledigen mittlerweile zwei von drei Angestellten in Deutschland berufliche Aufgaben auch auf privaten Rechnern oder dem Smartphone. 56 Prozent gaben an, den eigenen PC gelegentlich geschäftlich zu nutzen während 53 Prozent dazu auf das Laptop und 36 Prozent auf das Smartphone zurückgreifen. Von den 250 in Deutschland befragten Angestellten gab die Hälfte an, die eigene Hard- und Software sei moderner und technisch auf einem neueren Stand als die des Arbeitgebers. Weil dieser seinen Angestellten aus Kostengründen immer seltener modernste Arbeitsgeräte zur Verfügung stellt, macht es 58 Prozent der Befragten mehr Spaß, mit dem privaten IT-Equipment zu arbeiten. „Mitarbeiter wollen im Beruf nicht auf das verzichten, was sie privat als praktisch und innovativ erleben“, begründet Accenture-Berater Johannes Michel die Entwicklung. „Gerade junge Mitarbeiter erleben die Ausstattung am Arbeitsplatz oft so, als führen sie privat Ferrari, in der Firma dagegen Pferdekutsche.“

Unternehmen versuchen den Trend zu nutzen

Mit dem Siegeszug von iPad, Smartphone & Co. lässt sich auch die Verschmelzung von privater und beruflicher Nutzung der mobilen Helferlein nicht mehr verhindern. Viele Arbeitgeber unterstützen diese Entwicklung sogar. So hat das Marktforschungsunternehmen You Gov Psychonomics bei einer Befragung von rund 700 kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien herausgefunden, dass jede dritte Firmenleitung in Deutschland ihre Angestellten ermutigt, private Smartphones oder Tablet-PCs zur Arbeit mitzubringen. Statt gegen den Trend anzukämpfen, versuchen Unternehmen, die Entwicklung für sich zu nutzen. Es gibt bereits Mischmodelle, bei denen Arbeitgeber die private Anschaffung von Kommunikationsgeräten bezuschussen oder durch Kooperationen mit Hardware-Herstellern den Beschäftigten günstige Angebote für den Kauf von Laptops oder PCs machen, unter der Voraussetzung, dass diese dann auch geschäftlich genutzt werden.

Weniger Kosten und mehr Motivation

Zum einen lässt sich durch diese Art der IT-Beschaffung viel Geld sparen –  bis zu 40 Prozent der Anschaffungs- und Unterhaltskosten laut dem IT-Marktforschungsunternehmen Gartner. Zum anderen fördert es auch die Motivation der Mitarbeiter. Denn immerhin ist für jeden fünften Befragten in Deutschland eine moderne Technik am Arbeitsplatz ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers, so ein weiteres Ergebnis der Accenture-Umfrage. Darüber hinaus können Arbeitgeber davon ausgehen, dass die Mitarbeiter auch in ihrer Freizeit eher erreichbar und gewillt sind, dringende geschäftliche Dinge zu erledigen. Schließlich nehmen sie ihren Arbeitsplatz ja mit nach Hause.

Privat-PC als Sicherheitsrisiko

Neben den Vorteilen stellt der Trend zum Privatrechner am Arbeitsplatz für Unternehmen aber auch ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko dar.  Ob und welche Schutzprogramme Mitarbeiter auf den eigenen Geräten installiert haben, ist völlig unüberschaubar. Auch die zunehmende Verlagerung von beruflicher Kommunikation in soziale Netze gefährdet die Sicherheit von Unternehmensdaten. Von strikten Verboten raten Experten jedoch ab. Es drohe Motivationsverlust bei den Mitarbeitern und Imageverlust auf dem Arbeitsmarkt. Mitarbeiter sollten sich des Risikos und ihrer Verantwortung gegenüber dem Arbeitgeber bewusst sein und private Geräte nicht ohne die Einwilligung des Unternehmens für berufliche Zwecke nutzen. Oftmals lassen sie sich in die Unternehmens-IT einbinden und durch Anti-Virus-Programme und Firewalls entsprechend schützen.
Dem Mitarbeiter sollte auch klar sein, dass der Arbeitgeber grundsätzlich ein Zugriffsrecht auf unternehmenswichtige Daten hat. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn der PC, der zur Arbeit verwendet wird, Eigentum des Mitarbeiters und nicht der Firma ist. Die Verwendung eines privaten und eines geschäftlichen E-Mail-Accounts sowie die Unterteilung der Festplatte in zwei entsprechende Bereiche sind daher von vorn herein sinnvolle Maßnahmen. In jedem Fall sollten wichtige Unternehmensdaten sowie sensible persönliche Daten verschlüsselt und mit einem Passwort geschützt werden.

(Quellen: Spiegel online, ComputerBILD online, ZEIT online, Personalmagazin)

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